Ich bin bei Adobe auf Einkaufstour gegangen: Unter radikaler Nutzung von Einführungsangeboten und Grace Periods habe ich Photoshop Lightroom und CS3 äusserst günstig erstanden. Erste Erfahrungen:
Photoshop Lightroom
Lightroom kombiniert eine mächtige Bildverwaltung mit einer Bild- (besser: Foto-)bearbeitung. Bisherige Softwaren konnten das eine oder das andere gut und hatten Defizite im jeweils vernachlässigten Bereich - Lightroom meistert beide Aufgabengebiete in exzellenter Qualität. Es bildet den kompletten workflow zur Verwaltung, Bearbeitung und Veröffentlichung digitaler Fotos ab. Das Kopieren von hunderten von Bildern von der Kamera, das Versehen dieser Bilder mit Metadaten, das Ändern der Aufnahmezeit, das Drehen - alles sehr komfortabel, selbsterklärend und mit geringstem Aufwand erledigt. Sehr ordentliche Bearbeitungsfunktionen, allein das Korrigieren perspektivischer Verzerrungen fehlt mir. Alle Änderungen an einem/mehreren Bildern(n) werden aufgezeichnet und erst beim Export auf das exportierte Bild angewandt - das Original wird also niemals zerstört (ähnlich dem Erzeugen von Papierabzügen aus Negativen). Die Veränderungen an einem Referenzbild (z.B. Weissabgleich) können auf einen ganzen Stapel angewandt werden, das erspart das händische Bearbeiten aller Bilder einer Serie.
Lightroom ist allerdings kein Ersatz für Photoshop CSx, es kann nämlich keine Montagen, hat keine Ebenen, kennt keine Filter etc. Aufwändige Retuschen sind eher das Ding von CS3 als von Lightroom. Lightroom ist halt konsequent auf das Verwalten und "Entwickeln" einer großen Anzahl digitaler Fotos ausgerichtet.
Der Käufer von Lightroom bekommt übrigens die Mac- und die Windows-Version und kann beide mit der gekauften Seriennummer einsetzen. Die Mac-Version läuft übrigens bei identischer Funktion, Handhabung und Optik ein ganzes Ende smoother als das Windows-Pendant ...
Der große Konkurrent von Lightroom ist Apple Aperture. Ich habe mich für Lightroom entschieden, weil Aperture a) teurer und b) deutlich ressourcenhungriger ist, c) laut einigen Testberichten hinsichtlich Qualität und Brillanz der entwickelten Bilder Lightroom nicht ganz das Wasser reichen kann und d) (das K.O.-Kriterium) nicht mit dem RAW-Format meiner Pentax K100D umgehen kann.
Photoshop CS3
Darüber gibts nicht viel zu sagen - ist halt die konkurrenzlose Bildbearbeitungslösung. Allerdings im Vergleich zu Lightroom im gleichzeitigen Handling mehrerer Bilder (Stapelverarbeitung) deutlich komplizierter und träger. Nutzer der CS3-Beta müssen einigen Aufwand treiben, um das finale Release installieren zu können: Beta deinstallieren - über das Apple Installer Tool - nicht über In-den-Papierkorb-ziehen (unbedingt Readme lesen!). Das hat bei mir nicht gereicht, die Installation ist immer bei ca. 90 % abgebrochen. Erst mittels cs3clean und den Hinweisen auf den Adobe-Support-Seiten hatte ich schließlich Erfolg.
CS3 scheint noch nicht komplett ins Deutsche übertragen zu sein, Bridge und Camera Raw werden in Englisch mitgeliefert. Ich hoffe, das wird über Updates gefixt ... Update: Die UserInterface-Sprachen sind mitinstalliert, man kann sie unter Preferences => Advanced in z.B. Deutsch ändern. Komisch, dass er das nicht gleich bei der Install gemacht hat, bei Photoshop selbst hat's geklappt.
Lightroom vs. Bridge + Camera Raw vs. iPhoto
Martin fragt in seinem Blog nach der schlauesten Lösung für das Handling seiner Fotos. Der Versuch einer Antwort:
Lightroom ist die integrierte Komplett-Lösung, dabei weitgehend einfach zu bedienen und hochgradig effizient. Die Lightroom-Funktionen kann man unter enormen Komfort-Abstrichen weitgehend auch mit Bridge (dem Medien-Browser von CS3) + Adobe Camera Raw (ACR, kostenloser Raw Konverter von Adobe) abbilden. ACR und Lightroom haben hinsichtlich Raw-Entwicklung und Bildoptimierung den gleichen Funktionsumfang. Eng wird's bei der Bildverwaltung: Bridge ist ein Media-Browser und keine Media-Datenbank, arbeitet also auf Dateisystem- und Ordnerebene (etwa wie der Finder). Damit können immer nur die Bilder in einem Ordner oder als Suchergebnisse angezeigt werden. Suchen dauern länger, weil im Filesystem und nicht in einer Datenbank gesucht wird. Bridge hat keine Bearbeitungsfunktionen, dafür muss ein Foto immer an ACR oder Photoshop übergeben werden. Das geht alles, damit kann man arbeiten - aber es macht bei weitem nicht so viel Spaß wie mit Lightroom.
iPhoto wiederum ist eine solche Foto-Datenbank und kommt mit mit rudimentären Bildbearbeitungsfunktionen (Rote Augen, Drehen, Zuschneiden, Farben/Weißabgleich etc.) daher. Bei iPhoto ist das Handling von Metadaten arg eingeschränkt, das macht das Verschlagworten und gezielte Suchen von Bildern nicht einfacher. iPhoto hat jedoch seine Stärken in der komfortablen Integration in die iLive-Familie (das kann keine der anderen Lösungen) und in der Präsentation von Bildern: DiaShows mit iPhoto sind superschnell gemacht und beeindrucken mit Ken-Burns-Effekt und anderen Spielchen.
Eine gute und weiterführende Quelle zum Thema "Optimaler RAW-Workflow" ist übrigens Uwe Steinmüllers RAW Workflow-Seite.