Die CeBIT wird von Microsoft und Windows-basierten Lösungen dominiert, Macs sind dort so selten wie normalgewichtige Amerikaner. Allein in Halle 23 findet man eine Mac-Oase im Meer der Gleichförmigkeit: Die Präsentationen im "Arbeitskreis Digitale Fotografie" sind fast ausschließlich mit Macs ausgestattet.
Allerdings gibt es dort nicht wirklich Neues zu sehen. Adobe führt Photoshop CS2
vor (das nicht als Universal Image vorliegt und nur aufgrund brachialer Rechenpower der Mac Pros hinreichend schnell in Rosetta läuft). Eine Nachfrage bei Adobe ergab, dass wir nicht mit einem Photoshop Elements für Intel Macs rechnen dürfen, dafür gäbe es keinerlei Pläne. Der Markt für eine Consumer-Mac-Version von Photoshop sei nicht groß genug. Wer die Features brauche, solle zur Rosetta-emulierten Version 4 oder zu Lightroom greifen, alle anderen wären ambitionierte User und würden sowieso CS3 nutzen.
Phase One führt die Beta von Version 4 ihres RAW-Konverters CaptureOne vor, der ab Sommer für Mac + Win mit identischer Oberfläche verfügbar sein soll. Leider waren mehr Abstürze und Bugs denn neue Features vorführbar, der Mitarbeiter am Stand nahm's jedoch gelassen und mit Galgenhumor. Möglicherweise muss man diesem Produkt eh keine weitere Aufmerksamkeit zukommen lassen, denn ganz augenscheinlich wird der Markt der RAW-Konverter bereits von Adobe Lightroom dominiert. Faktisch jeder Stand arbeitete mit diesem auch von mir sehr geschätzten Stück Software - ein respektabler Erfolg für eine so junge Software. Apples Konkurrenzprodukt Aperture konnte ich nirgends sichten.
Wer sich dennoch für CaptureOne interessiert, sollte sich schnell noch eine SanDisk Extreme III Speicherkarte kaufen. Diesen Produkten liegt ein bis Ende März einzulösender Gratis-Gutschein für CaptureOne 3LE bei. Diese Version soll kostenfrei auf Release 4 (dann hoffentlich stabiler)
upgradefähig sein.
In Halle 3 präsentiert Mindjet die aktuellen 6er Versionen vom MindManager für Win + Mac. Die 7er Beta ist nicht zu sehen. Das macht nichts, denn sie bietet (zumindest in der Mac-Version, die mir als Beta-Tester vorliegt) nicht wirklich aufregend Neues. Wenn sich Mindjet hier nicht noch ordentlich in die Riemen legt, wird es wohl kaum einen Grund geben, auf das neue Release zu wechseln. Es soll im Sommer erscheinen (das scheint in diesem Jahr die Standard-Formulierung für Release Dates
zu sein).
Ebenfalls "im Sommer" soll das finale Release von VMWare Fusion vorliegen. Die in Halle 1 vorgeführte Beta (Build Einundvierzigtausendirgendwas) scheint
im Gegensatz zu meinem Build 36932 deutlich schneller zu laufen und verfügt über deutlich mehr Funktionen. Hier lohnt sich wohl ein häufiger Blick auf die Beta-Webseiten.
Den Parallels-Stand in unmittelbarer Nähe hat man wohl nicht mit dem kompetentesten Personal ausgestattet. Den Leuten war die Existenz einer VMWare-Konkurrenz (wenn auch im Beta-Stadium) neu und schien auch nicht
besonders ernstgenommen zu werden. Nichtsdestotrotz hat Parallels wohl das bessere (performantere) Produkt. Ich werde mir bis zum Erscheinen der finalen VMWare-Version mit der VMWare-Beta behelfen und mich dann für eines der beiden Produkte entscheiden. Parallels liefert einen Konverter für VMWare-Images mit, so dass man die Gast-Betriebssysteme nicht neu aufsetzen muss.
Fazit: Solange er dort nicht geschäftlich zu tun hat, lohnt sich für den Mac-Freund ein Besuch der CeBIT nicht - es sei denn, er möchte sich persönlich von den deutlich geschrumpften Ausstellungsflächen überzeugen. Und wer auf die berüchtigten Standparties bei Flybook mit knapp volljährigen Italienerinnen spekuliert, wird in diesem Jahr auch enttäuscht ...